Auswirkungen der Corona-Pandemie auf deutsche Büroimmobilien

Aktualisiert: Okt 14

Nachfragerückgang von Büroimmobilien

Vor Ausbruch der aktuellen Corona-Pandemie haben niedrige Zinsen und eine wachsende Wirtschaft die Nachfrage nach Büroimmobilien gesteigert. Die Ausbreitung des Corona-Virus brachte dann einen Arbeitsplatzwechsel für viele Arbeitnehmer mit sich. Statt ins Büro zu gehen wurde die anfallende Arbeit nun von zu Hause aus erledigt. Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben mehr als ein Drittel der Befragten teilweise oder vollständig im Homeoffice gearbeitet. Dabei waren es vor der Corona-Pandemie nur rund 12 Prozent.


Unternehmen mit auslaufenden Mietverträgen stoppten ihre Umzugspläne und verlängerten bestehende Mietverträge. Zusammen mit den Einschränkungen durch den Lockdown führte das zu einem Nachfrageeinbruch nach neuen Büroräumen in den vergangenen Monaten.

Der zentrale Immobilien Ausschuss ZIA erwartet, dass selbst nach Ende der Corona-Pandemie mehr Menschen von zu Hause arbeiten werden. Die Nachfrage nach Büroimmobilien würde dementsprechend um 10 bis 20 Prozent sinken.



Umwandlung von leerstehenden Büroflächen in Wohnraum

Durch den Einbruch der Büronachfrage sehen Marktakteure der Immobilienbranche nun die Möglichkeit die Spannung auf dem Wohnungsmarkt vor allem in Ballungsräumen zu mindern, indem leerstehende Büros in Wohnungen umgewandelt werden.


Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist der Meinung, dass die Büros, die in Zukunft leer stehen werden, sich kaum dazu eignen in Wohnungen umgewandelt zu werden. Eine Umwandlung würde einen hohen Aufwand und ebenso hohe Kosten mit sich bringen. Er rät dazu, das Potenzial von leerstehenden Büros nicht zu überschätzen. Ist eine Umwandlung möglich, sollte diese aber umgesetzt werden und in Zukunft sollte beim Neubau von Bürogebäuden an eine Nachnutzung als Wohnraum mitgedacht werden.


Ulrich Jehle, Geschäftsführer des Immobilienentwicklers Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH (REA) vertritt in diesem Fall eine andere Meinung. Er plädiert für ein Förderprogramm, das Immobilienentwickler beim Umbau finanziell unterstützt. Zuvor bedarf demnach einer guten Vorbereitung. Dazu gehört beispielsweise die Anfertigung einer Machbarkeitsstudie und die Entwicklung eines schlüssigen Gesamtkonzeptes.

Die finanzielle Unterstützung könne in Form von Baukostenzuschüssen oder zinsgünstigen Darlehen vorliegen und mit konkreten Bedingungen verbunden sein. Die Neuvermietungen sollten einkommensabhängig stattfinden und somit könne verhindert werden, dass nur Wohnraum für Gutsituierte entstehe.


Leerstehende Büroflächen in Basel werden zu Wohnungen

Auch in der „Kulturhauptstadt der Schweiz“ Basel hat die Corona-Pandemie dazu geführt, dass die Anzahl an leerstehenden Büros steigt. Um den Leerständen entgegenzuwirken nutzt der Kanton die Möglichkeit der Umwandlung von Büros in Wohnungen und geht so mit gutem Beispiel voran. Gemäß dem Basler Statistikamt sind in den letzten fünf Jahren auf diesem Weg 173 Wohnungen in ganz Basel entstanden. Wie viele weitere Wohnungen in naher Zukunft entstehen können hängt davon ab, wie sich das Coronavirus und seine Folgen auf die Wirtschaft auswirken werden.


Homeoffice gewinnt immer mehr an Bedeutung

Die Corona-Pandemie hat das Homeoffice massentauglich gemacht. Einer Umfrage des Frauenhofer Instituts für angewandte Informationstechnik (FIT) zufolge kommen die Deutschen mit dem Homeoffice besser zurecht, als vorher erwartet. Die Zufriedenheit der Teammitglieder und Führungskräfte liegt bei 90 Prozent und das in allen Branchen.



Der Begriff Remote Work war vor dem Corona-Einbruch in den Unternehmen noch ein Fremdwort. Mittlerweile hat sich dieser Begriff fest etabliert. Frei übersetzt bedeutet Remote Work „Fernarbeit“.

Laut einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG wollen zwei Drittel der rund 1.300 befragten Unternehmen weltweit mehr Remote Work ermöglichen als vor der Pandemie. Dafür wollen sie die Mittel für digitale Zusammenarbeit und Kommunikation ausbauen.

Die Digitalisierung musste in vielen Unternehmen auf den neusten Stand gebracht werden. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen (55 Prozent) haben während der Pandemie in neue digitale Tools investiert. 31 Prozent der deutschen Unternehmen führten beispielsweise Computer-Programme zur Zusammenarbeit im Betrieb ein.


Vor- und Nachteile von Homeoffice

Der Einsatz von Homeoffice bringt für Arbeitnehmer viele Vorteile mit sich. Zu einem entfällt für die Arbeitnehmer der Weg zur Arbeit und sie können ihren Arbeitstag so entspannter starten. Nach Feierabend bleibt ihnen zudem mehr Freizeit. Außerdem können sie auf diesem Weg Kosten einsparen, da sie sich beispielsweise keine Bus- oder Bahntickets mehr kaufen müssen.

Des Weiteren kann Homeoffice für bestimmte Arbeitnehmer zu einer Produktivitätssteigerung führen, da Ablenkungen die im Büro anfallen, vermieden werden können.

Die Arbeit von Zuhause ermöglicht es den Arbeitnehmern, ihre Arbeitszeiten nach dem persönlichen Biorhythmus anzupassen. Dabei muss die Erreichbarkeit bei Fragen von Kunden oder Kollegen zu vereinbarten Zeiten gewährleistet sein.

Arbeitgeber können mit dem Einsatz von Homeoffice neue Anreize für ihre Mitarbeiter schaffen und ihre Stellenanzeigen für freie Stellen vielseitiger gestalten.

Außerdem bringt Homeoffice für sie eine enorme Kosteneinsparung mit sich, da die Arbeitgeber keine oder weniger Arbeitsplätze in Bürogebäuden einrichten müssen.


Remote Work bringt ebenso negative Aspekte mit sich. Vor allem der Informationsaustausch zwischen Mitarbeitern wird mit Homeoffice erschwert, da persönliche Gespräche im Büro oder Meetings entfallen. Zudem kann der verringerte Kontakt zu seinen Kollegen den Arbeitnehmern nach einer Zeit das Gefühl der Einsamkeit geben und sie wiederum demotivieren.

Um von Zuhause aus effektiv arbeiten zu können bedarf es außerdem an einem erhöhten Motivationsfaktor, einem besseren Zeitmanagement und einer höheren Selbstständigkeit. Der Arbeitnehmer selbst trägt die volle Verantwortung für seinen Arbeitstag und muss eine Selbstdisziplin entwickeln.

Zudem bietet die Arbeit von Zuhause neue Ablenkungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Hausarbeit oder Kinder.

Ein Risiko für Arbeitnehmer im Homeoffice ist auch die fehlende Sichtbarkeit. Sie können bei Gehaltserhöhungen oder Beförderungen einfacher übergangen werden.

Für Arbeitgeber hingegen bedeutet Homeoffice eine fehlende Kontrolle über ihre Angestellten.


Die Corona- Pandemie hat in den vergangen Monaten Einfluss auf die deutschen Büroimmobilien genommen und für ein Umdenken gesorgt. Vor allem die Nachfrage nach Büroimmobilien ist betroffen. Der Lösungsvorschlag, leerstehende Bürogebäude in Wohngebäude umzuwandeln bringt ein Für und Wider mit sich und bis zum heutigen Zeitpunkt konnte keine konkrete Entscheidung über ein derartiges Vorgehen getroffen. werden. Die weitere Entwicklung des Büroimmobilienmarkts und weitere Auswirkungen durch die Corona- Pandemie sind aktuell unabsehbar.


Autor: Jennifer Felk, Mitarbeiterin Content Management






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