BAFA-Förderung für Heizungen - Interview mit „Die Energieingenieure“

Aktualisiert: Apr 21

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert ab Januar 2020 das Heizen mit erneuerbaren Energien. Property Value Partner hat die Gelegenheit bekommen, ein Interview mit Sebastian Schmidt zu führen, einer der Inhaber von „Die Energieingenieure“, einem Energieeffizienzunternehmen in Hannover. Dieser erläuterte uns seinen ingenieurtechnischen Standpunkt über das Förderprogramm des BAFA.


Das Förderprogramm des BAFA – bis zu 45% Bezuschussung der Investitionskosten

Der Ausgangspunkt für das Förderprogramm für klimafreundlichere Heizungsanlagen bildet das aktualisierte Marktanreizprogramm, das sich die Förderung der „Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien“ zur Aufgabe gemacht hat.

Der Zuschuss von der Bundesregierung ist ein „prozentualer Anteil der tatsächlich für den Austausch bzw. die Erweiterung der Heizungsanlage entstandenen förderfähigen Kosten“. Die Höhe des Zuschusses ist abhängig von der Art der ausgetauschten Heizungsanlage, der Art der zu austauschenden Heizungsanlage und ob es sich um eine Installation in einem Neubau oder um einen Wechsel in einem bestehenden Gebäude (solche, in denen seit mind. 2 Jahren ein Heizungssystem lief, das gewechselt werden soll) handelt. So können natürliche und juristische Personen bei einem Wechsel zu einer Heizung, die mit erneuerbaren Energien betrieben wird, einen Zuschuss in Höhe von bis zu 45 % der Investitionskosten erhalten.

In diesem Sinne ruft Bundesminister Peter Altmaier zum Heizungswechsel auf: „Wer jetzt die Austauschprämie beantragt, kann bares Geld sparen und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz tun! Mit der Austauschprämie für Ölheizungen fördern wir zukunftsfähige Investitionen mit bis zu 45 % der Investitionskosten. Das sind gute Nachrichten für alle Hausbesitzer und gute Nachrichten für das Klima.“



Unser Interview mit Sebastian Schmidt von „Die Energieingenieure“

Property Value Partner durfte mit Sebastian Schmidt vom Energieberatungsunternehmen „Die Energieingenieure“ zum Förderprogramm des BAFA ein Interview führen, um ein differenziertes Urteil aus qualifizierter energieingenieurtechnischer Sicht zu erhalten. Ob Herr Schmidt die Förderung also als klugen nachhaltigen Schritt befürwortet oder sie wiederum für eine fehlgeleitete Maßnahme hält, stellt sich im Folgenden heraus.


PVP: Hallo Sebastian, bevor wir beginnen, erzähle uns doch bitte kurz etwas zu deiner Person.

S. S.: Mein Name ist Sebastian Schmidt, ich bin gelernter Wirtschaftsingenieur. Ich habe eine Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater (HWK) gemacht und mache im weitesten Sinne Energieberatung, wenn man das so nennen darf; eigentlich ist „Energieberatung“ ja kein geschützter Begriff. Ich berate also Menschen und Einrichtungen dazu, wie sie die Energieeffizienz steigern können.


PVP: Wie du bestimmt weißt, sind die Meinungen zu erneuerbaren Energien gespalten. Auf der einen Seite stehen die Leute, die für erneuerbare Energien unermüdlich kämpfen, weil sie etwa unbegrenzt zur Verfügung stehen, Unfällen in Kernkraftwerken wie in Fukushima vorbeugen oder die Verstärkung des Treibhauseffekts vermeiden. Auf der anderen Seite sind die Leute, die erneuerbare Energien ablehnen, weil sie teuer oder weniger leistungsstark seien. Wie stehst du aus ingenieurtechnischer Sicht zu erneuerbaren Energien?

S. S.: Die Antwort ist relativ einfach: Ich sehe nur Vorteile. Klar, die Kosten haben die Ingenieure nicht im Griff, deshalb können wir sie nicht beeinflussen. Erneuerbare Energien werden aber immer konkurrenzfähiger, große Solarparks sind ja auch schon günstiger als konventionelle Kraftwerke bei der Erzeugung von Strom. Man kriegt es immer irgendwie hin, durch Förderungen die erneuerbaren Energien wirtschaftlicher zu kriegen – meistens zumindest. Die CO2-Abgabe kommt auch hinzu, die das fossile System nochmal teurer macht, und wenn die fossilen Systeme teurer werden und die erneuerbaren Energien günstiger, ist es nur noch eine Frage der Zeit.


PVP: Die Energiewende ist bereits seit den 70er Jahren im Gange, als die Wahrnehmung um die Energiekrise stärker wurde. Ist die Energiewende deiner Meinung nach inzwischen schon weit fortgeschritten oder gibt es noch großes Entwicklungspotenzial?

S. S.: Also, dafür, was technisch und wirtschaftlich machbar ist, sind wir hinterwäldlerisch. Denn wenn jeder Einfamilienhausbesitzer 20.000 € hätte, um in Heizungen zu investieren, dann hätten wir, glaube ich, in zehn Jahren die Hälfte des Energieverbrauchs im Sektor eingespart. Bei Strom ist es relativ einfach: Der Strommarkt ist reguliert, da gibt es CO2-Abgaben für die Kraftwerke schon seit langem. Wir kommen auch auf sehr gute Werte, was die erneuerbaren Energien angeht. Das einzige Ziel, das wir von den 2020-Zielen erreicht haben, war auch, dass ungefähr 20 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommt. Der Strommarkt ist also der einzige, in dem wir das Ziel erreicht haben und in dem es jetzt auch Tage gibt, an denen über 50 % der Energie aus erneuerbaren Quellen kommt. Bei Strom ist das kein Problem; dort gerät es jetzt zwar ein bisschen ins Stocken wegen der Windenergie, aber, wenn wir jetzt noch alle Dächer mit Photovoltaikanlagen zupflastern würden, die überhaupt nur in der Sonne stehen, dann brauchen wir uns am Tag über Strom keine Gedanken mehr zu machen.


PVP: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle möchte mit seinem Förderprogramm klimafreundliche Heizungsanlagen pushen. Ist die Förderung von erneuerbaren Energien in Gebäuden überhaupt zielführend? Sind Gebäude, was die erneuerbaren Energien angeht, noch sehr ausbaufähig?

S. S.: Was in Wohngebäuden verbraucht wird, ist ja zu ungefähr zwei Dritteln Wärmeenergie; der Rest, also der geringste Teil, ist Strom. Und dadurch, dass die Wärme größtenteils aus Öl und Gas gemacht wird, ist das noch größtenteils fossil. Bisher war es sehr lohnenswert, alte Gasheizungen gegen neue auszutauschen, weil es 15 % Zuschuss gab und man eine Einsparung in Höhe von zwischen 10 % und 15 % hatte. Jetzt lohnt sich das nicht mehr, und man muss, um Förderwürdigkeit zu erlangen, etwas Erneuerbares machen. Wenn man das tut, kommt, im Jahresmittel gesehen, wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Energie aus dem erneuerbaren Teil. Dementsprechend könnte da relativ schnell was passieren, wenn vollumfängliche Information bei der Bevölkerung da ist und Geld nicht so eine entscheidende Rolle spielen würde. Es kostet zwar mehr Geld, aber eigentlich gibt es kein Argument mehr dagegen, mindestens Hybridlösungen einzubauen.


PVP: Der Staat fördert den Wechsel zu klimafreundlicheren Heizungen mit einem Zuschuss von bis zu 45%. Ist es sinnvoll, dass der Staat potenziell so viel Geld in erneuerbare Energien in Gebäuden investiert, oder gibt es andere energiebasierte Probleme, um die man sich mithilfe dieses Geldes hätte kümmern können?

S. S.: Ich finde das schon sehr sinnvoll. Ich meine, 45 % ist fast die Hälfte der Heizung, und wenn jetzt eine Solarthermieanlage zu 30 % gefördert wird, kostet sie dann nur noch 70 % der Anschaffungskosten; danach kommt die Energie kostenlos 20 Jahre vom Dach. Hätte man die 40 Milliarden Euro Kohleausstiegssubventionen auch noch in den Bereich Fördermittel integriert, dann wäre das auch viel wirksamer, als Kohlearbeiter mit 43 Jahren in Rente zu schicken.


PVP: Gibt es deiner Ansicht nach noch andere Bereiche, in die noch mehr investiert werden müsste, analog zu der BAFA-Förderung?

S. S.: Im Strombereich sind wir relativ gut aufgestellt, die bisher erreichten Ziele sind sehr gut. Die nächsten Ziele für erneuerbare Energien sind schwierig zu erreichen, weil Photovoltaikförderung runtergeht und Windkraft zwar fördertechnisch gut aufgestellt ist, aber aufgrund der Platz- und Leitungsproblematik gehemmt wird. Und jetzt haben sich alle auf den Wärmebereich in Gebäuden gestürzt. Es ist ein sehr gutes Förderprogramm, weil dieser Bereich bisher sehr unterrepräsentiert war; es war eine große Baustelle, die sie jetzt ja sehr profitabel gelöst haben. Der dritte Bereich ist der Verkehr, der schwierig ist, denn dort geht es meiner Meinung nach eigentlich nur um die Schiene. Wir brauchen keine Stromtrassen auf den Autobahnen, wenn daneben die Stromtrasse für die Schiene ist. Zusammengefasst steht der Strommarkt gut da, kommt jetzt aber ins Stocken. Der Wärmemarkt steht schlecht da, hat jetzt aber eine profitable Förderung, und der Verkehr ist quasi der schlechteste Sektor und sehr schleppend, weil Elektromobilität auch nicht so viel Anklang findet. Für den Wärmemarkt ist das Förderungsprogramm meiner Meinung nach sehr lohnenswert.


PVP: Als letztes würden wir gerne wissen, was du über das folgende Zitat von Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V., denkst: „Hohe Abwrackprämien und attraktive solare Steueranreize bei absehbar steigenden CO2- und Heizkosten – das dürfte selbst die letzten Modernisierungsmuffel hinterm Ofen hervorlocken.“ Stimmst du zu? Meinst du, das Förderprogramm wird erfolgreich zum Heizungstausch motivieren?

S. S.: Ich stimme zu. Wir haben zwei Vorteile: ein sehr attraktives Förderprogramm und ansteigende Kosten für das fossile System durch die CO2-Abgabe. Und die Erfahrung zeigt, dass die Menschen reagieren, wenn es im Geldbeutel schmerzt. Wenn das Gas in Zukunft immer teurer wird, dann tut es irgendwann so sehr weh, dass sie sich bewegen. Spätestens dann, wenn der Nachbar erzählt, dass er eine neue Heizung mit Solarenergie kombiniert hat und er jetzt nur noch die Hälfte zahlt, denken sie sich: „Das will ich auch.“


Autor: Rega Rauf, Mitarbeiter Content Management



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