38. Hannover-Forum – Immobilien 20/zwanzig: Unbewegliches bewegen

Aktualisiert: Apr 21

In diesem Jahr fand am 03.03. das 38. Hannover-Forum statt. Die vom Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Niedersachsen/Bremen (BFW) organisierte Veranstaltung befasste sich mit dem Thema „Immobilien 20/zwanzig: Unbewegliches bewegen“. Nach einer offiziellen Begrüßung des Geschäftsführers des BFW Niedersachsen/Bremen, David Huber, begannen verschiedene Panels zu unterschiedlichen immobilienwirtschaftlichen Themen. Die Leitthemen umfassten den Wohnungsbau, das Verwalter-Forum, Human Resources und Technik. Im Folgenden werden vor allem kurze Einblicke in die Panels Wohnungsbau und Verwalter-Forum gegeben.


Kooperativer Wohnungsbau und Vergabe nach Konzeptqualität – Der erste Teil des Panels Wohnungsbau

Eines der Themen des Panels Wohnungsbau lief unter dem Titel „Chancen durch Dialog: Kooperativer Wohnungsbau im Bremer Hulsberg-Viertel“. Der Referent Florian Kommer, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte GmbH & Co. KG informierte über das Stadtentwicklungsprojekt des „Neuen Hulsberg-Viertels“ mit dem thematischen Schwerpunkt der intensiven Bürgerbeteiligung. Von Beginn an hatten die Bürger die Möglichkeit an dem Projekt mitzuwirken. Im Jahr 2011 fand das Projekt seinen Anfang. Im Sommer 2018 wurde der Bebauungsplan bewilligt. Bis heute erhielte das Vorhaben seitens der Bürger eine große Zustimmung, trotz der bereits dicht besiedelten Flächen. Dabei gäbe es allerdings einige Kritiker, die Unsicherheiten bezüglich neuer Nachbarschaftsstrukturen, die innerstädtische Nahverdichtung oder einem steigenden Aufkommen des Verkehrs äußern. Allerdings seien diese Bedenken nicht sehr weitläufig verbreitet. Laut Kommer könnte der Vorzeitige Einbezug der Bürger ein Grund für die positiven Einstellungen gegenüber dem Projekt sein. Allerdings gelinge eine derartige Vorgehensweise nur, wenn frühzeitig begonnen wird, Ausdauer vorhanden ist und eine kritische Reflexion vorgenommen wird.


Ein weiterer Vortrag beschäftigte sich mit verschiedenen Verfahren zur Verwertung kommunaler Grundstücke. Martin Dornieden, Geschäftsführer der DORNIEDEN Gruppe legte dabei den Schwerpunkt auf die Konzeptvergabe. Die Gemeinden müssen geeignete Projektentwickler für die bestehenden kommunalen Grundstücke finden. Dabei stehen den Gemeinden verschiedene Möglichkeiten zur Verfügen, die Grundstücke zu Verwerten. Darunter fallen die Direktvergabe, das Bieterverfahren, das Erbbaurecht und die Konzeptvergabe. Letzteres umfasst den Grundgedanken, dass Flächen, die besondere Ansprüche aufweisen zielgerichtet entwickelt werden. Die Vergabe nach Konzeptqualität ist im Vergleich zu den anderen Verfahren komplexer. Des Weiteren weist es eine längerfristige Dauer der Vorbereitung und Umsetzung auf. Gründe dafür ergeben sich aus der genauen Definition der Ziele und der sinnvollen Abstimmung der Ziele, Auswahlkriterien und der Anforderungen an das Konzept. Die Ziele der Kommunen sind vielschichtig. Schaffung von bezahlbaren Wohnraum, Unterstützung verschiedener Zielgruppen und Organisationsformen, eine gewisse Qualität und Architektur, die soziale Mischung sowie die Nachhaltigkeit des Wohnungsbaus stehen dabei im Mittelpunkt.


Nachhaltigkeit beim Wohnungsbau – Der zweite Teil des Panels Wohnungsbau

Die gesamte zweite Hälfte des Panels Wohnungsbau stand ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit beim Wohnungsbau, obgleich zwei sehr unterschiedliche Ansätze präsentiert wurden: RA Prof. Dr. Rüdiger Scheller von der Canzlei der Rechtsanwälte aus Braunschweig leitete ein Seminar namens „Cradle to Cradle Ansatz: Nachhaltig Bauen mittels ganzheitlicher Lebenszyklusbetrachtung“, bevor Dr. Frank Eretge, Geschäftsführer vom Gundlach Bau und Immobilien GmbH & Co. KG, in der Veranstaltung „Recyclinghaus Hannover: Praxistauglich oder realitätsfern?“ ein bereits realisiertes hauseigenes Projekt vorstellte.


Der Cradle to Cradle-Ansatz, für den sich Herr Scheller aussprach, wurde vom deutschen Chemiker Michael Braungart entworfen, auf den er in seiner Präsentation mehrmals verwies. Der Ansatz sieht vor, dass vermeintlich unbrauchbare Verbrauchsgüter (Abfall) in einen biologischen Kreislauf hinzugegeben werden sollen, während Gebrauchsgüter – mithilfe des nun genährten biologischen Kreislaufs – wiederum in technischen Kreisläufen vorbereitet werden. Nach Herrn Scheller soll dieses Konzept auch auf den Wohnungsbau angewandt werden; die Bau- und Immobilienwirtschaft stehe mit seiner verschwenderischen Handhabung von Rohstoffen sehr weit oben auf der Liste der CO2-Produzenten. Sie habe es dementsprechend dringend nötig, dass – bei Gebäuden, die am Ende ihrer Lebensdauer stehen – die benutzten Rohstoffe einem zukünftig nutzbaren Rohstofflager hinzugegeben werden. Zum Schluss wurden auch einige Praxisbeispiele vorgestellt.



Das „Recyclinghaus Hannover“ stellt ein im Sommer 2019 verwirklichtes Projekt der Gundlach Bau und Immobilien GmbH & Co. KG dar. Was das „experimentelle Wohnhaus“ ist, und welche Erkenntnisse aus der Aktion gewonnen werden konnten, berichtete Herr Eretge. Demnach sei die übergeordnete Frage die folgende gewesen: „Welchen Beitrag kann Recycling heute und morgen zur Ökologisierung des Bauens liefern?“ Vom nahezu komplett mit recycelten Materialien gebauten Recyclinghaus hat sich Gundlach Antworten auf diese Frage erhofft; tatsächlich besteht nur der Kern aus einem nicht-recycelten Massivholzbau. Ansonsten ist das Haus zusammengesetzt aus „Restmaterialien auf Baustellen“ und „recycelten Fenstern und Fassaden“ und enthält „Jutedämmerung aus Kakaobohnensäcken“. Gundlach sei während des Vorhabens auf zahlreiche Hürden gestoßen, die der Tatsache geschuldet sind, dass der Recyclinggedanke noch nicht weit verbreitet ist. So seien „viele Individuallösungen“, „kreative Ideen zur Materialverwendung“, „Zulassungen im Einzelfall“ und „Materialprüfungen“ erforderlich gewesen. Dennoch sprächen beispielsweise „steigende Rohstoff- und Energiepreise“ und die CO2-Steuer, aber auch „gesellschaftliche Anforderungen“ sowie „Kundenbedürfnisse“ für eine Verbreitung der Idee des Recyclinghauses. Doch damit das passieren kann, müssten bestimmte Vorkehrungen getroffen werden: „Graue Energie“ müsse bei Energievorschriften berücksichtigt werden, Bauvorschriften müssten flexibilisiert werden und zu guter Letzt müssten weitere Pilotprojekte gefördert werden.


Ein Einblick ins Panel Verwalter-Forum mit Fachanwalt Bernd Weise

Zwei der Themen, die das Panel Verwalter-Forum behandelte, waren die Energieeffizienz und die Barrierefreiheit in Wohngebäuden. „Energetische sowie alters- und behindertengerechte Maßnahmen im Wohnungseigentum“ hieß das Seminar von Bernd Weise von den WEISE Rechtsanwälten, Fachanwalt für Bau-, Architekten-, Miet- und WEG-Recht.

Die Veranstaltung untersuchte unter anderem aktuelle Gesetze, die festlegen sollen, auf welche Weise die Energieeffizienz und Barrierefreiheit in Wohnungsgebäuden die Gemeinschaftseigentümer betreffen und was ihre Rechte im Falle von beantragten entsprechenden Sanierungsmaßnahmen sind.

Die Idee war, immer wieder auf die Frage zurückzukommen, welche Rolle der Verwalter in alledem innehat. So wurde etwa behandelt, welchen Pflichten der Verwalter bei Fragen von Mängeln am Gemeinschaftseigentum nachgehen muss, worauf er bei ablaufenden Verjährungsfristen desselben zu achten hat und ob er bei bevorstehenden Sanierungen mehr Aufgaben zu bewältigen hat, als man zunächst erwarten würde. Schließlich machte Herr Weise darauf aufmerksam, dass sich das WEG-Recht dieses Jahr noch ändern könnte und verwies auf mögliche Anpassungen der Paragrafen § 20 und § 21. Demnach sollen insbesondere Bauliche Veränderungen, die der Energieeffizienz oder Barrierefreiheit dienen, einfacher zu beschließen sein.


Nachmittagsprogramm des Hannover-Forums

Bei einer anschließenden Pause ergaben sich viele Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu den vor Ort ansässigen Unternehmen und weiteren Besuchern. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung sprachen Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW sowie Olaf Lies, der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz und Gabriele Nießen, die Bremer Staatsrätin im Senatsressort Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungswesen. Neue Informationen aus Berlin brachte Christian Bruch, Geschäftsführer des BFW Bundesverbandes. Dabei wurden z.B. Themen wie der am 23.02.2020 in Kraft getretene Berliner Mietendeckel angesprochen. Einen Blick in die Zukunft der Immobilienwirtschaft gab Prof. Dr. Tobias Just (FRICS), Geschäftsführer IREBS Immobilienakademie. Dabei erläuterte er z.B. die Entwicklung des Wohnungsmarktes mit Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart. Ein gezogenes Fazit seinerseits besagt, dass die unterschiedlichen Akteure, die in der Immobilienbranche mitwirken, stärker aufeinander und die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen müssen. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Beteiligten sollte stärker in den Fokus genommen werden und dabei solle es möglich sein, Kompromisse einzugehen. Die anschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Miteinander für mehr Wohnungsbau: aber wie“ ermöglichte den offenen Austausch unterschiedlicher Meinungen. Die Reflektion vergangener Fehler und Erkenntnis jetziger Schwierigkeiten leiteten diese Diskussion.



Die Autoren:

Rega Rauf, Mitarbeiter Content Management

Pauline Born, Mitarbeiterin Content Management


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